Wieso ich kein „Veganer“ sein will | Vegan als Dogma

Wenn ich ehrlich bin, dann sage ich nur sehr ungern „Ich bin Veganer“. Nicht etwa weil es mir grundsätzlich peinlich wäre, sondern weil der Veganer selbst in meinen Augen eine unsympathische Figur darstellt.

Was macht diesen Veganer aus?

Er ist dogmatisch, engstirnig und hält sich für etwas Besseres. Ein solches Bild teilen leider die meisten Menschen unserer Gesellschaft. Kann man ihnen auch nicht verübeln, denn es gibt nun mal solche Veganer, die genau dieses Klischee erfüllen – leider steckt in vielen Vorurteilen ein Fünkchen Wahrheit.

Aufgrund von streitsüchtigen, emotional argumentierenden Wenigen, ist Veganismus so negativ behaftet, dass ich verstehen kann, wenn Leute nichts damit zu tun haben möchten. Mir ging es vor ungefähr vier Jahren schließlich genauso.

Viele Veganer sind engstirnig, dogmatisch und halten sich für etwas Besseres. Wie vermeidet man dies? Und wie überzeugt man Leute vom Veganismus - auf ehrliche und sexy Art?

Heut sehe ich, dass Veganismus der Schlüssel zu einer besseren Welt sein kann, da der schrittweise Ausstieg aus der Tierhaltung unseren Planeten, unsere Gesundheit und zahllose Tierleben retten kann. Natürlich gehört da noch ein bisschen mehr dazu, aber ich bin voll und ganz überzeugt, dass Veganismus ein zentraler Bestandteil des „So-verhindern-wir-den-Weltuntergang-Plans“ sein muss.

Wie überzeugt man also andere Menschen von einer solchen Ansicht?

Sicherlich nicht, indem man am Tisch mit Fleischessern diese als Mörder beschimpft. Sicherlich nicht, indem man Leder tragende Menschen auf den Straßen mit einem Eimer Kunstblut überschüttet. Sicherlich nicht, indem man versucht Verständnis durch Unverständnis oder sogar Hass zu erzeugen.

Wenn man Leute von der veganen Sache überzeugen will, dann sollte man anderen mit Positivität begegnen. Man sollte das Dogma komplett ablegen, sich eher in sie hineinversetzen und einen guten Lebensstil vorleben, der sie von allein dazu bringt Interesse zu zeigen. Man sollte Dinge tun, die wirklich funktionieren.

Ich selbst denke, dass die Kampagnen von Peta beispielsweise wesentlich effektiver sein würden, wenn dabei die positiven Aspekte mehr im Vordergrund stehen würden: All die Krankheiten, die man mit Veganismus behandeln und heilen kann, die Ressourcen und Emissionen, die man einsparen kann, wie sehr man seine sportliche Leistung steigern kann, etc. Aufklärung über die Verhältnisse in der Tierzucht sind ebenfalls wichtig, doch überwiegt dieses negative Bild, dann wird diese Haltung auch oft auf  den Veganismus an sich übertragen.

Viele Veganer sind engstirnig, dogmatisch und halten sich für etwas Besseres. Wie vermeidet man dies? Und wie überzeugt man Leute vom Veganismus - auf ehrliche und sexy Art?

Wenn diese negative Einstellung überwiegt und Leute sich nur angegriffen fühlen, reagieren sie auch dementsprechend.

So kam auch sicherlich Furious Petes T-Shirt-Design mit der Aufschrift „Peta – People eating tasty animals“ und dem Bild der Kuh, welcher eine Gabel im Rücken steckt, zustande.

Meiner Meinung nach unglaublich geschmacklos und dämlich, aber in seiner Sicht machen es die Veganer vermutlich genauso – „So denke ich und wenn du nicht so denkst bist du ein schlechter Mensch!“.

Natürlich löst eine solche Aktion wie die von Furious Pete wiederum negative Gefühle bis hin zu Hass bei Veganern aus und so gelangen wir in einen Teufelskreis der Negativität, in welchem sich beide Parteien nur gegenseitig beschimpfen und runtermachen.

Also wenn du vom Veganismus überzeugt bist, dann bitte sein kein Vollidiot gegenüber Nicht-Veganern. So wirst du sie niemals umstimmen können.

Wenn du Veganismus voranbringen willst, dann müssen wir diesen sexy präsentieren.

Der große Vorteil hierbei ist: Man muss sich gar nichts ausdenken, es bringt tatsächlich zahlreiche Vorteile vegan zu werden.

Viele Veganer sind engstirnig, dogmatisch und halten sich für etwas Besseres. Wie vermeidet man dies? Und wie überzeugt man Leute vom Veganismus - auf ehrliche und sexy Art?

Um selbst also effektiv die gute Sache voranzubringen, sollte man gut informiert über die gesundheitlichen, ökologischen und auch ethischen Aspekte hinterm Veganismus sein. Dieses Wissen, gepaart mit einer positiven Ausstrahlung wird bei weitem mehr Menschen vom Veganismus überzeugen, als jedes emotional aufgeladene Streitgespräch.

Lasst uns also gemeinsam versuchen Veganismus wieder zu einem positiven Begriff zu machen! Strahlt die „Marke“ Veganismus erstmal wirklich das aus wozu sie fähig ist, dann geschieht der Umstieg von ganz allein.

Jedem der also tatsächlich daran interessiert ist andere Leute zu überzeugen, empfehle ich dieses Video von Nick Cooney zu schauen, in welchem er die Wissenschaft hinterm Aktivismus erklärt – superinteressant!

Also bleibt positiv und offen. No Dogma, No Cry.

Signature_mel

Viele Veganer sind engstirnig, dogmatisch und halten sich für etwas Besseres. Wie vermeidet man dies? Und wie überzeugt man Leute vom Veganismus - auf ehrliche und sexy Art?

Viele Veganer sind engstirnig, dogmatisch und halten sich für etwas Besseres. Wie vermeidet man dies? Und wie überzeugt man Leute vom Veganismus - auf ehrliche und sexy Art?

About Mel

Ich bin fasziniert von der Heilkraft, die Ernährung und Lebensstil haben können. Mit meinen Beiträgen möchte ich dir zeigen, was dich krank und was dich gesund und fit machen kann, deswegen bin ich hier auf dem Ricemilkmaid Blog für die ernährungswissenschaftlichen Themen zuständig.

9 thoughts on “Wieso ich kein „Veganer“ sein will | Vegan als Dogma

  1. Ja, genau so sehe ich es auch! Eine Freundin sagte mir letztens, sie würde jetzt häufiger erklären: „Ich bin Vegetarisch und habe eine Eier- und Laktoseintoleranz.“ Obwohl das gar nicht stimmt. Aber als Veganer erkannt zu werden, wäre ihr unangenehm. Wie traurig ist das? Wir sollten wirklich alle gemeinsam daran arbeiten und eine positive Einstellung verbreiten.

    1. Hey Jassi, vielen Dank für deinen Kommentar. 🙂 Auch eine sehr interessante Strategie von deiner Frreundin. Ich erwische mich dann auch immer wieder mit „Ich ernähre mich rein pflanzlich“ um „vegan“ zu vermeiden. Freut mich sehr zu hören, dass du meine Meinung teilst! LG

  2. Lieber Mel!

    Ich finde diesen Beitrag wunderbar!
    Ganz wunderbar.

    Ich finde es ebenfalls sehr, sehr schade, dass es diesen Teufelskreis aus negativer Reaktion auf beiden Seiten gibt (und habe mich damit vor Kurzem ebenfalls beschäftigt, allerdings etwas spitzfindiger und provozierender). Doch ich bin generell ebenfalls der Ansicht, dass ein beiderseitiges „Aufrüsten“ – wenn man das so bezeichnen darf – absolut nichts bringt. Zumal die meisten Veganer*innen sich diesem Lebensstil nicht zugewandt haben, um auf andere herabblicken zu können – auch, wenn es da natürlich immer die berühmten Ausnahmen gibt, die dann natürlich umso mehr negativ auffallen und das Bild der gesamten Gruppe prägen.

    Allerdings verzichte ich bewusst nicht auf den Terminus „Veganerin“. Ich bin Veganerin und ich werde das auch weiterhin so benennen. Für mich persönlich kommt es ein bisschen einer Aufgabe oder Selbstverleugnung nahe, wenn ich versuche, das empathisch zu umschreiben. Ich möchte mein Gegenüber vielmehr mit meinem Handeln und meiner aktiven Auseinandersetzung mit ihm oder ihr überzeugen, dass „die Veganer“ auch anders als verbohrte und spaßbefreite Menschen sein können. In der Regel warte ich daher immer eine Weile, bis ich das „offenbare“ – dann aber mit der konkreten Bezeichnung – und die Menschen kennen mich schon ohne das Label „vegan“. Wenn sie es dann dazubekommen, reagieren sie meist offen und interessiert und wollen mehr darüber erfahren.

    Aber da sind die Herangehensweisen natürlich unterschiedlich und für jeden und jede ist eine andere zweckmäßig. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

  3. Hey Mel,
    ich muss schmunzeln 😉 Tatsächlich schwirrte der Begriff „Dogma“ seit unserer gestrigen Diskussion im Kopf herum.
    Also war ich wohl ein guter Sparringspartner für zukünftige positive Gespräche mit Nicht-Veganern zu dem Thema.
    Hier noch ein paar Tipps für weitere Adressaten: Die besten Eindrücke hinterlässt man wohl, wenn man seine eigenen positiven Erfahrungen in die Welt hinausträgt, und das darf durchaus emotional sein.
    Denn wenn man für etwas brennt, springt meistens auch ein Funke über!
    Dann gib deinem Gegenüber den Raum für eigenes Nachdenken und Hinterfragen, ohne dass er sich in seinem Kosmos „bedroht“ fühlt. Und zuguterletzt: freue dich auch über kleine Schritte 🙂
    liebe Grüße,
    Dein Stiefmütterchen

  4. Richtig guter Beitrag !
    Ich muss wirklich sagen, dass ich momentan auch immer öfters mit negativen Feedback bezüglich Veganismus konfrontiert werde, einfach auch dadurch, dass relativ viele richtig strikte Veganer großteils durch ihre Disziplin ein wenig „überbegeistert“ bei anderen rüberkommen. Um das mal positiv auszudrücken.

    Also ich bin sofort dabei in Thema, Veganismus positiv darstellen lassen 🙂

    P.S.: Habe deinen Blog gerade gefunden und finde ihn super <3

    1. Hey Vivi! Tausend Dank für dein Feedback! „Überbegeistert“ triffts wohl ziemlich gut. Das war ich anfangs auch und kann es deswegen auch niemandem verübeln. Gewinnt man aber erstmal etwas Distanz zum Thema schafft man es auch wieder sachlich drüber zu sprechen – Das ist denke ich das wichtigste.

      Freut mich tierisch zu hören, dass du dabei bist. 😉 LG

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