Ist Soja gesund? | Ernährung

Ich hab endlich ein bisschen Unterstützung auf diesem Blog gewinnen können: Ab heute befindet sich Mel im Team Ricemilkmaid und versorgt euch regelmäßig mit ernährungswissenschaftlichen Themen und Fragen rund um den Veganismus. Das ist sein absolutes Steckenpferd und ich finde, er hat diesen Beitrag über die große Frage, ob Soja gesund ist, wirklich gut und verständlich erklärt. Freue dich also auf weitere Beiträge und informiere dich hier erstmal über deinen Sojakonsum!
Cosima


Solala? Soja!

Soja wird hierzulande oftmals verschmäht. An dunklen Straßengassen hört man beunruhigende Geschichten über die kleine Bohne. Sie enthalte Hormone durch welche sie bei Frauen Brustkrebs fördere, und Männer mache sie zu Weichlingen mit sogenanntem Männerbusen. Außerdem sei die zunehmende Abholzung der Tropenwälder auf ihren Anbau zurückzuführen. Hört sich wirklich nach einem schlimmen Übeltäter an.

Ist Soja jetzt eigentlich gesund oder nicht? Ständig hört man von Gerüchten und Mythen, dass Soja Brustkrebs fördere, genmodifiziert sei und und Hormone enthalte. Was stimmt denn nun wirklich? Wir klären auf! | Ricemilkmaid Blog
Von links: Sojabohne, Tofu, Sojaschnetzel, Sojasauce, Sojamilch & Sojaflocken

Da ich die Gefahr jedoch liebe, arrangierte ich mithilfe eines lokalen Bio-Feinkostgeschäfts ein Treffen mit einer solchen bösartigen Sojabohne. Dabei konnten wir einige Missverständnisse klären und an der einen oder anderen Stelle der Erzählungen der kleinen Bohne kam ich sogar ins Staunen. Anlass genug für mich um ein paar Wahrheiten über meinen neuen Freund Herrn Soja zu berichten!

Räumen wir also mit ein paar Gerüchten und Mythen auf!


„Soja enthält Hormone!“

Bei dieser Beschuldigung handelt es sich um die falsche Vermutung Soja enthalte Östrogene (das weibliche Geschlechtshormon). Genau genommen enthält Soja nämlich Phytoöstrogene, auch bekannt als Pflanzenöstrogene, auch bekannt als Isoflavone.

Die eingetragene Diätassistentin Ginny Messina erklärt auf ihrer Website, dass dieses Phytoöstrogen dem Östrogen des menschlichen Körpers zwar ähnlich ist, kleine Unterschiede zwischen beiden jedoch zu sehr verschiedenen Auswirkungen im Körper führen.

Ist Soja jetzt eigentlich gesund oder nicht? Ständig hört man von Gerüchten und Mythen, dass Soja Brustkrebs fördere, genmodifiziert sei und und Hormone enthalte. Was stimmt denn nun wirklich? Wir klären auf! | Ricemilkmaid Blog

Ohne zu tief auf die biochemischen Zusammenhänge einzugehen (wer sich dafür interessiert kann dies gern hier nachholen), kann man festhalten: Phytoöstrogene können östrogenähnliche, anti-östrogene oder auch überhaupt keine Effekte im Körper auslösen.[1] Östrogene Phytoöstrogene!


„Soja verursacht Brustkrebs!“

Diese Anschuldigung hängt mit der vorigen zusammen, denn ein erhöhter Östrogenspiegel im Körper gilt tatsächlich als Risikofaktor für die Entstehung von Brustkrebs. Das ist auch der Grund warum bei Frauen, bei denen die Menstruation sehr früh einsetzt, die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Brustkrebs erhöht ist. Allerdings haben wir ja bereits geklärt, dass Kumpel Sojabohne eben kein Östrogen enthält und damit auch diesen Risikofaktor nicht mit sich bringt. Punkt für die Bohne!

Ist Soja jetzt eigentlich gesund oder nicht? Ständig hört man von Gerüchten und Mythen, dass Soja Brustkrebs fördere, genmodifiziert sei und und Hormone enthalte. Was stimmt denn nun wirklich? Wir klären auf! | Ricemilkmaid Blog

Oder? Die Wissenschaft sagt ja: Eine Metaanalyse von 18 Studien aus dem Jahr 2008 zeigt auf, dass Frauen in Asien durch ihren hohen Sojakonsum das Risiko für Brustkrebs senken konnten (16 % Risikoreduzierung pro 10 mg Phytoöstrogen). In westlicheren Gefilden wird generell wesentlich weniger Soja konsumiert (unter 1 mg Phytoöstrogen pro Tag), daher wurden bei den untersuchten Frauen auch keine Effekte und somit natürlich auch kein Zusammenhang zwischen Soja und Brustkrebs festgestellt. [2]

Weiterhin wurde in einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2013, bei welcher 131 wissenschaftliche Artikel zum Thema ausgewertet wurden, festgestellt, dass Sojakonsum  mit einem verringerten Risiko an Brustkrebsvorkommen, -wiederauftreten und -sterblichkeit zusammenhängen kann. [3]

Die Wissenschaft verrät uns also: Im besten Fall ist Soja schützend vor Brustkrebs, im schlechtesten Fall hat es überhaupt keinen Effekt auf Brustkrebs. Damit wäre diese Anschuldigung also auch vom Tisch.


„Soja ist ungesund!“

Da sich Soja durch solche Anschuldigungen einen schlechten Ruf bei dem einen oder anderen Bohnenhasser eingefangen hat, wird sie oft als ungesund abgestempelt. Soja hat allerdings ordentlich was auf dem Kasten!

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Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2009 zeigt, dass Sojakonsum das Risiko für Prostatakrebs bei Männern verringert. [4] Eine weitere aus 2011 fasst zusammen, dass Sojakonsum das Risiko für Darmkrebs bei Frauen verringert (Bei Männern konnte dieser Effekt nicht festgestellt werden, aber hey dafür kriegen wir weniger Prostatakrebs!). [5]

Das ist noch nicht alles: 2005 wurde durch eine übergreifende Analyse von 23 Artikeln festgestellt, dass Sojakonsum den Gesamt-Cholesterinwert, LDL Cholesterin und Triglyceride im Blut verringert und den Anteil an HDL Cholesterin erhöht. [6] Um das kurz zu erklären: Zu viel LDL Cholesterin und zu viele Triglyceride über längere Zeit im Blut lassen die Arterien und Venen durch Ablagerungen verstopfen (nennt sich dann Arteriosklerose). Passiert dadurch ein Verschluss der Blutgefäße am Herzen = Herzinfarkt. Passiert ein Verschluss der Blutgefäße im Gehirn = Schlaganfall. HDL Cholesterin hingegen hilft das „schlechte“ LDL Cholesterin aus den Blutgefäßen abzubauen.

Aber wir schweifen ab! Kurzum: Soja wappnet vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was wirklich praktisch sein könnte, wenn man bedenkt, dass jährlich 338 000 Menschen in Deutschland daran sterben. [7]

Als Hülsenfrucht enthält Soja außerdem etliche Nährstoffe. Es ist reich an Kalzium und Eisen und enthält einen hohen Proteinanteil mit allen essenziellen Aminosäuren. [8]


„Soja verweiblicht Männer!“

Wie wir jetzt schon seit zwei Absätzen wissen enthält Soja kein Östrogen, welches einen solchen Effekt schnell erzielen könnte.

Allerdings scheint es möglich zu sein beispielsweise die Spermienqualität mit Soja zu verschlechtern. Dafür müsste man nur über einen längeren Zeitraum jeden Tag mindestens 12 Portionen Soja in irgendeiner Form zu sich nehmen. [9] Das wären beispielsweise ca. 1,5 kg Tofu am Tag. Na dann guten Appetit. Und selbst wenn Tofu_Lover12 das Ganze über mehrere Monate durchziehen würde, dann könnte man  trotzdem nicht mit Sicherheit von einer verminderten Spermienqualität oder sogar einem Männerbusen ausgehen. [10] Ich würde es trotzdem nicht empfehlen.

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„Soja zerstört den Regenwald!“

Hey, diesmal ist sogar was dran am Gerücht. Nicht, dass das etwas Gutes wäre, im Gegenteil. Aber …

Der weltweite exzessive Sojaanbau, der sich mittlerweile auf eine Fläche von rund 120 Millionen Hektar (3x die Fläche Deutschlands) ausgedehnt hat, vernichtet Lebensräume und Tropenwaldflächen. Da allerdings nicht viele Menschen so viel Soja konsumieren wie Tofu_Lover12, ist anzumerken, dass die gewaltige Nachfrage aus einer anderen Richtung kommt: Der Futtermittelindustrie. Aufgrund des hohen Proteingehalts eignet sich Soja nämlich auch perfekt als Futtermittel. Der Konsum von Produkten tierischer Herkunft unterstützt diesen Prozess also indirekt.

Ist Soja jetzt eigentlich gesund oder nicht? Ständig hört man von Gerüchten und Mythen, dass Soja Brustkrebs fördere, genmodifiziert sei und und Hormone enthalte. Was stimmt denn nun wirklich? Wir klären auf! | Ricemilkmaid Blog

Das Soja, das wir hierzulande in Form von Tofu, Sojamilch, Sojaschnetzel und Co kaufen können, kommt hauptsächlich aus Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich sowie aus Kanada und China. Um Menschen anstelle der Tiere mit Soja zu versorgen würde ein Bruchteil der derzeitigen Anbaufläche ausreichen. [11] Mehr Infos darüber findest du im Beitrag über die drei aufrüttelnden Dokus, die du auf jeden Fall kennen solltest.


„Soja ist genmodifiziert!“

Hierbei ähnelt die Erklärung der vorigen. In der EU ist genmodifiziertes Soja als Lebensmittel verboten.

Als Futtermittel kommt es jedoch aus Amerika auf unseren Kontinent und wird hier an die Tiere verfüttert. Die Lebensmittel, die aus Soja in Deutschland vertrieben werden sind daher nicht genmodifiziert und man muss sich in diesem Zusammenhang auch keine Sorgen machen. [12]

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Soja ist gesund!

Ich denke man hat es herausgehört: Ich habe eine ziemlich gute Freundschaft zur Sojabohne aufgebaut! Sie ist gesund, unglaublich vielseitig einsetzbar und außerdem wirklich lecker! Hoffentlich konnte dir dieser Artikel ein paar Zweifel in Bezug auf das Thema nehmen. Falls ja: Guten Appetit! Aber bloß keine 1,5 kg Tofu am Tag!

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Quellen:

 

About Mel

Ich bin fasziniert von der Heilkraft, die Ernährung und Lebensstil haben können. Mit meinen Beiträgen möchte ich dir zeigen, was dich krank und was dich gesund und fit machen kann, deswegen bin ich hier auf dem Ricemilkmaid Blog für die ernährungswissenschaftlichen Themen zuständig.

14 thoughts on “Ist Soja gesund? | Ernährung

  1. Für mich ist Soja Tierfutter, mehr nicht. Ich meide das Zeug strikt. Allerdings vertrage ich es sowieso nicht. Aber das muss jeder halten, wie er meint. Von Ernährungsberatern und Diätassistenten halte ich gar nichts, ich habe in dieser Richtung viel zu viele schlechte Erfahrungen gemacht! Am besten ist es, auf den eigenen Körper zu hören bzw. dies wieder zu lernen. Und meiner spielt bei Soja komplett verrückt.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Erfahrungen! Bei wem eine Soja-Unverträglichkeit festgestellt wurde, sollten Sojaprodukte natürlich keinen Platz auf dem Teller finden. Unter Beratern finden sich sicherlich, wie in jedem Beruf, auch schwarze Schafe. Schade, dass du daher schlechte Erfahrungen gemacht hast. Die Studienlage weist in jedem Fall daraufhin, dass Soja generell gesund für den Menschen ist – der Geschmack ist natürlich nochmal ein anderes Paar Schuhe.

  2. Ich hab gerade deine Beiträge über Fleisch, Milch und diesen, über Soja gelesen und muss sagen: Wenn ich nicht schon längst von Veganismus überzeugt gewesen wäre, wäre ich es vermutlich jetzt 😉
    Wirklich tolle Beiträge! Und zum Glück hab ich jetzt auch noch mehr Argumente. Bis jetzt konnte ich meistens nur mit deinem letzten Argument punkten, da ich nur Soja aus Österreich kaufe (weil ich eben daher komme) – und der wahnsinnige Sojaanbau in Regenwaldgebieten eben nicht von Menschen, sondern von (Schlacht)Tieren „konsumiert“ werden. Das ist so vielen nicht bewusst! Danke auch für alle weiteren wichtigen Informationen!

    1. Hey Diana! Das ist Kokosblütenzucker in meinen Ohren! 😉 Vielen herzlichen Dank für dein Feedback! Freut mich auch riesig, dass ich deinem Argumente-Katalog noch ein paar Einträge hinzufügen konnte. Ich werd alles geben um ihn auch mit den nächsten Beiträgen wachsen zu lassen. 😉 Ich finds super, dass wir mittlerweile hiermit sogar die österreichischen Nachbarn erreichen. 😛 Danke! LG Mel

  3. und was ist mit dem argument, dass soja alle nähr- und auch giftstoffe aus dem boden saugt und einlagert? das ist nämlich ein argument, das ich immer wieder höre.. mein mann mag kein soja essen, mein sohn und ich lieben aber sojajoghurt und kommen da nicht immer drumrum 😉
    liebe grüße
    caro

  4. Hallo Caro,

    tatsächlich habe ich noch nicht von diesem Argument gehört. Wenn du eine Quelle dazu hättest würde ich mir das gern mal anschauen. Bei meinen Recherchen bin ich jedenfalls auf keine Studie gestoßen, die das belegen würde und ich habe auch bei Nutritionfacts von Dr. Michael Greger oder bei den Diätassistenten Jack Norris und Ginny Messina nichts darüber gefunden.

    Ganz allgemein ist die Sache mit den Giftstoffen jedoch ein universelles Problem, dass wir in der modernen Landwirtschaft mit all unseren Lebensmitteln haben. Trotzdem sollte man deswegen noch lange nicht auf ansonsten gesunde Leebensmittel verzichten, da deren positive Auswirkungen die negativen meistens überwiegen.
    Allerdings müsste man das je nach Giftstoff und Lebensmittel einzeln bewerten und klare Daten zum Analysieren haben, um wirklich eindeutige Aussagen zu treffen.

    LG, Mel

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