Vegan-Kritik #1: Fünf Aussagen und meine Antworten | Veganes Leben

In dieser Serie befasst sich Cosima mit der Vegan-Kritik und hat sich fünf häufig gestellte Aussagen und Fragen herausgesucht, die sie beantwortet. Warnung: Einige Sätze sind mit sarkastischem Unterton zu lesen.

Es gibt so ein paar Fragen, die muss man als Veganer ständig beantworten. Diese Fragen werden von Kollegen in der Mittagspause gestellt; von dem Kassierer an der Kasse, der die Sojamilch scannt, und vielleicht auch von deiner Oma, sobald sie hört, dass du „nichts Vernünftiges“ mehr isst.

Dies sind Aussagen, die scheinbar in vielen Köpfen rumgeistern – entweder, weil es ein Thema ist, das sie wirklich interessiert, oder weil sie einen reißerischen Artikel in einem Tagesblatt gelesen haben.

Wenn diese Fragen schon gestellt werden, dann wollen wir sie auch beantworten, damit es weniger unangenehme Kassengespräche gibt. Und wir wollen dir Antworten liefern, die man sich einfach merken kann – somit bist du auch du für die nächste vegane Fragerunde gewappnet.

In dieser Serie befasst sich Cosima mit der Vegan-Kritik und hat sich fünf häufig gestellte Aussagen und Fragen herausgesucht, die sie beantwortet. Ist vegan essen teuer? Müssen Kühe gemolken werden? Warum isst man kein Fleisch? Wieso trägst du unvegane Sachen auf? Vegan - das schmeckt doch gar nicht! Klick dich gleich zum Beitrag.


Vegan-Kritik #1: Fünf Aussagen und meine Antworten

Vegan-Kritik: „Fleisch ist doch so lecker. Warum verzichtest du dann darauf?“

Nur weil jemand etwas als lecker empfindet, rechtfertigt das in keinster Weise das ernorme Tierleid und die akute Umweltverschmutzung, die mit dem Fleischkonsum einhergeht.

Tierliebe Menschen und solche, die sich aus ethischen Gründen für eine vegane Ernährung aussprechen, tun dies, weil sie damit jede Menge Tierleben retten können – im Schnitt spricht man von ungefähr 40 Tieren im Jahr, die ein Mensch durch eine vegane Ernährung verschont.

Es gibt auch sehr viele gesundheitliche Gründe, auf Fleisch zu verzichten. Diese hat Mel dir in dem Beitrag „Ist Fleisch gesund?“ detailliert beschrieben.

Vielleicht mag jemand den Geschmack und die Konsistenz von Fleisch einfach gar nicht so gerne und entscheidet sich deswegen dafür.

Ich verzichte auf Fleisch, weil es mir damit wesentlich besser geht – ich tue damit etwas für meine Gesundheit und meine Umwelt. Und wenn ich dabei noch das ein oder andere Tier retten kann, dann habe ich sogar ein ruhigeres Gewissen. Denn wie wir alle so schön in der Schule gelernt haben: „Nachfrage bestimmt das Angebot“.

Ob aus ethischen, ökologischen oder gesundheitlichen Gründen – die Möglichkeiten an Antworten sind enorm. Egal, woher die Entscheidung rührt, kein Fleisch mehr essen zu wollen, es sollte einfach so akzeptiert werden.


Vegan-Kritik: „Deine Tasche ist aber aus Leder!“

Die besagte Tasche wurde meiner Mama vor über zwanzig Jahren von meinem Papa geschenkt und sie hat diese vor ein paar Jahren an mich weitergegeben.

Es ist durchaus sinnvoll, unvegane Kleidung, die man sich vor dem veganen Umstieg gekauft hat, komplett aufzutragen – das Geld hat man bereits investiert und den Produzenten somit eh schon unterstützt. Dieses Produkt einfach zu entsorgen halte ich nicht für besonders sinnvoll.

Einige Veganer argumentieren, dass sie unvegane Produkte nicht mehr tragen würden, weil die schicke Tasche oder die hübschen Schuhe bei anderen vielleicht einen Kaufwunsch auslösen könnten und sie somit das Kaufverhalten und die Industrie indirekt beeinflussen würden.

Vegane Taschen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Klar, Kunstleder ist jetzt aus ökologischer Sicht auch nicht die beste Variante, aber es werden immer mehr natürliche Produkte entwickelt – zum Beispiel aus Ananasleder .


Vegan-Kritik: „Vegan? Das schmeckt doch überhaupt nicht!“

Ähm, doch? Zuallererst: Geschmäcker sind ja bekanntlich sehr verschieden.

Der Grund, warum viele Menschen die vegane Ernährung als nicht besonders lecker abstempeln, ist, dass sie sie mit einer komplett auf Obst und Gemüse reduzierten Diät gleichsetzen. Und wenn ich mich den ganzen Tag nur durch Gemüsesticks futtern müsste, dann würde ich das auch nicht besonders lecker finden – es sei denn, es gibt ordentlich Kichererbsenpaste oder Hummus dazu.

Ich bin mir aber sicher, dass jeder schon mal Obst und Gemüse gegessen hat, welches ihm sehr gut geschmeckt hat. Es gibt aber auch vegane Schokolade, vegane Semmelknödel, veganes Eis, vegane Pizza – es gibt irgendwie alles als vegane Variante. Nicht umsonst gibt es den Hashtag #veganforfat.

Richtig leckere (und in den meisten Fällen gesunde) Rezepte findet man auch in unserer Rezepte-Kategorie.

Tipp: Der Trick an der veganen Ernährung sind übrigens die Gewürze. Unsere Gewürzschublade in der Küche hat sich seit unserer veganen Ernährung verdreifacht und ich entdecke ständig neue leckere Gewürze, die ein ganz neues Geschmackserlebnis darstellen.


Vegan-Kritik: „Die Kühe müssen doch eh gemolken werden!“

Eine Kuh gibt – so wie jedes andere Säugetier auch – nur nach einer Schwangerschaft Milch. Das bedeutet, eine Kuh muss quasi dauerschwanger sein, um kontinuierlich Milch geben zu können. Sie wird deswegen vom Landwirt künstlich befruchtet.

Nach der Geburt bleiben Mutter und Kalb maximal zwei Tage zusammen. Ein paar Wochen nach der Geburt wird die Kuh wieder geschwängert, damit sie weiterhin Milch gibt.

Das Kalb wird in ein Kälberiglu gesperrt und bekommt dort Ersatznahrung. Ist es weiblich, erwartet es das gleiche Schicksal, wie das der Mutter. Ist es männlich, ist es nicht sehr rentabel und wird daher entweder im jungen Alter geschlachtet oder ins Ausland verfrachtet.

Mehr Gründe liest du in unserem Beitrag „Wieso trinken Veganer keine Milch?“.

Kurzfassung: Nein, Kühe müssen nicht von uns Menschen gemolken werden – dafür ist normalerweise das Kalb da. Dass Kühe so viel und so oft Milch geben ist ein menschgemachter Prozess.

 


Vegan-Kritik: „Vegan essen könnte ich mir nicht leisten!“

Tatsächlich ernähre ich mich hauptsächlich von recht günstigen Lebensmitteln – Reis, Linsen, Kartoffeln, Haferflocken und saisonalem Obst und Gemüse (ist in der richtigen Erntesaison nämlich auch preiswert). Pflanzliche Milch kann teuer sein, muss sie aber auch nicht – wenn man sie sich zuhause im Mixer selbst macht, wird es nämlich richtig günstig.

Man kann mit der veganen Ernährung natürlich auch viel Geld ausgeben – wenn ich mir die vegane Tiefkühlpizza, teure Fleischersatzprodukte oder dekadentes Cashewmus kaufe. Alles kann, nichts muss. 😉

Also: Vegan geht auch mit einem kleinen Geldbeutel, egal ob Student oder Arbeitslosengeldempfänger.

Große Empfehlung: Immer einen Einkaufszettel schreiben mit den Dingen, die wirklich fehlen und für die Woche einen kompletten Essensplan austüfteln. Somit landen auch wirklich nur die Dinge im Einkaufswagen, die man letztendlich braucht und es gibt an der Kasse keine bösen Überraschungen.

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Was ist deiner Meinung nach einer der häufigsten Aussagen von Vegan-Kritikern? Verrate es mir in den Kommentaren!

Liebste Grüße,

Signature-Cosi

P.S: Hier hast du noch eine Grafik für die neue „Vegan-Kritik“-Serie für deine Pinnwand bei Pinterest. Am besten gleich abspeichern!

In dieser Serie befasst sich Cosima mit der Vegan-Kritik und hat sich fünf häufig gestellte Aussagen und Fragen herausgesucht, die sie beantwortet. Ist vegan essen teuer? Müssen Kühe gemolken werden? Warum isst man kein Fleisch? Wieso trägst du unvegane Sachen auf? Vegan - das schmeckt doch gar nicht! Klick dich gleich zum Beitrag.

About Cosima

Ich bin der Meinung, dass wir die Welt zu einem schöneren Ort machen sollten. Deswegen versuche ich mehr auf meine Umwelt zu achten und nachhaltiger zu leben - dennoch will ich auf nichts verzichten. Willst du mich dabei begleiten?

14 thoughts on “Vegan-Kritik #1: Fünf Aussagen und meine Antworten | Veganes Leben

  1. Gute und konstruktive Antworten, danke dafür!
    Die nehmen sogar mir, die an sich schon wusste, dass es sich um Vorurteile handelt, noch ein bisschen mehr die Angst. 🙂 Mir gefällt übrigens, dass du so freundlich darüber aufklärst – klar, ein bisschen Sarkasmus muss sein, aber wenn die Zunge zu spitz und der Ton zu pathetisch wird, wirkt das nach außen manchmal eher abschreckend.
    xx

    1. Huhu Sabine,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Freut mich sehr, dass ich dir damit ein wenig die Angst nehmen konnte. 🙂

      Mir ist wichtig, dass an die vegane Lebensweise sehr undogmatisch rangegangen wird. Mit Hasstiraden und dem Versuch, ein schlechtes Gewissen zu entwickeln kommt man sicherlich nicht weit. Schön zu lesen, dass du das ähnlich siehst. 🙂

      Liebste Grüße,
      Cosima

  2. Vielen Dank für diesen Artikel! Ich würde ihn am liebsten direkt an meine gesamte Familie weiterleiten. Im Moment ernähre ich mich noch nicht komplett vegan, bin aber auf dem besten Weg dorthin. Jedes Mal wenn ich zu Hause bin und meine Oma sehe, entsteht in etwa folgendes Gespräch:

    Oma: „Isst du immer noch kein Fleisch?“
    Ich: „Nein, Oma.“
    Oma: „Du bist jetzt aber kein VEGANER?!“
    Ich: „Nein, Oma.“
    Oma: „Gut. Das ist nämlich ganz gefährlich.“
    Ich: „Wieso das denn?“
    Oma: *unverständliches Gebrabbel von wegen Mangelerscheinungen* gefolgt von: „Na, irgendwann wirst du schon wieder Fleisch essen. Dann kriegst du auch mal wieder ein bisschen was auf die Rippen.“
    Ich: *seufz*

    Am Donnerstag fahre ich wieder nach Hause und ich glaube, ich beantworte ihre erst Frage mal ganz provokativ mit Ja. Und dann regnet es Argumente. Und zur Not zeig ich ihr deinen Blog. So. 🙂

      1. Huhu Natalie,

        vielen lieben Dank für deinen lieben Kommentar, ich musste glatt ein bisschen lachen. Dieses Gespräch kenne ich nämlich ganz ähnlich und werde auch heute – fast drei Jahre nach meiner Entscheidung, vegan zu leben – bei jedem Familienbesuch in so eines verwickelt. 😀

        Ich habe es mittlerweile einfach aufgegeben, meiner Oma verständlich machen zu wollen, warum ich vegan bin. Sie wehrt sich vehement dagegen, es verstehen zu wollen, also mache ich mir keinen Stress mehr damit und lenke das Gespräch auf andere Themen. 😉

        Freut mich, dass der Artikel dir gefällt – ich hoffe, dein nächstes Zusammentreffen mit der Familie ist erfolgreich. ♥

        Liebste Grüße,
        Cosima

  3. Sehr guter Artikel !
    Deine Antworten find ich ja schon fast vorbildlich 😉
    Bezüglich der „Kühe müssen gemolken werden“ Aussage möchte ich noch folgendes hinzufügen.
    Ich hab als Praktikum für ein paar Wochen auf einem Bio-Bauernhof gearbeitet, die ganz anders mit ihren Kühen umgegangen sind. Klar wurden sie auch dauerschwanger gehalten, aber es gab weder Ersatz-Futter für die Kälbinnen noch wurden sie künstlich befruchtet. Es ist trotzdem natürlich eine Quälerei, ich wollte hiermit auch nur sagen, dass es ein paar wenige Ausnahmen gibt, denen auch trotz ihres Berufes das Tierwohl wichtig ist.

    Liebe Grüße,
    Vivi <3
    vanillaholica.com

    1. Huhu Vivi,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar und auch dafür, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! 🙂

      In unserem „Ist Milch gesund?“-Artikel geht Mel auch noch mal kurz auf die Bio-Haltung ein, aber, wie du schon sagst, sehe ich sie – trotz allem „Tierwohl“ – als Quälerei. Ich finde es immer erschreckend, wie viele Leute Bio-Produkte kaufen, um ihr Gewissen zu beruhigen, aber keine Ahnung haben, was da trotzdem dahinter steckt… Es ist natürlich noch mal etwas ganz anderes, wenn man direkt auf einem Bauernhof mitgearbeitet hat und sehen konnte, was dort genau passiert – also, vielen lieben Dank für die Ergänzung! 🙂

      Liebste Grüße,
      Cosima

  4. Gute Idee diese Serie! Oft ist es ja echt erstaunlich, was für Fragen es alle zum Thema Veganismus gibt. Mit der Zeit wiederholen sie sich dann und man kann besser darauf reagieren. Und Vorbereitung in Form so einer Frage-Antwort-Serie ist auf jeden Fall hilfreich 😉
    Liebe Grüße,
    Elisabeth

    1. Huhu Elisabeth,

      vielen lieben Dank für den Kommentar und dein Kompliment! 🙂
      Ich stimme dir vollkommen zu, dass die Fragen sich dann schlussendlich immer wiederholen, aber grade zu Beginn meines veganen Lebens wusste ich nicht richtig zu kontern, weil ich mich mit vielen Themen noch nicht auseinander gesetzt hatte. Da musste ich mich häufiger mal geschlagen geben, weil ich es einfach nicht besser wusste. 😉

      Liebste Grüße,
      Cosima

      1. Genau das meinte ich 🙂 Am Anfang ist man ganz überrollt weil man zu vielen Themen noch keine Antworten parat hat und mit der Zeit geht’s dann besser weil die Fragen immer wieder die gleichen sind. Mir ging es da genau wie dir 😉 Für „Vegan-Anfänger“ ist es da natürlich toll, wenn sie, so wie durch deinen Artikel, schon mal vorbereitet sind.
        LG,
        Elisabeth

  5. Hi liebe Cosima!
    Danke für deinen Artikel 🙂 Ich ernähre mich erst seit einem guten Monat vegan und habe das auch in einer Hau-Ruck-Aktion durchgezogen… aber könnte mich nicht besser dabei fühlen! Langsam merke ich auch deutlich die gesundheitlichen Vorteile, ich bin zB viel weniger müde und habe wesentlich mehr Energie 🙂
    Da ich das Ganze aber noch nicht so lange durchziehe, stehen noch die „Coming-Out-Gespräche“ mit meiner Familie an, die natürlich weder aus Vegetariern noch Veganern besteht und die eher der „alten Schule“ angehören. Ich bin gespannt, wie das wird. 😉 Aber dank deinem Artikel fühle ich mich noch ein bisschen gefestigter und selbstbewusster, was diese und zukünftige Gespräche angeht. Danke dafür!
    Liebste Grüße,
    Anni

  6. Liebe Cosima!

    Ein schöner Artikel, der kurz und knapp, aber dennoch genau in der richtigen Länge auf alle „Argumente“ gegen den Veganismus eingeht! 🙂
    Ich glaube nach wie vor, dass die Abneigung gegen den Veganismus vor allem mit Angst und Unsicherheit zusammenhängt (ich habe kürzlich einen Artikel dazu veröffentlicht 😉 ) und dass jeder und jede, der oder die sich näher mit den Zusammenhängen befasst, eigentlich im Grund seines oder ihres Herzens gestehen muss, dass Veganismus eigentlich nur eine konsequente Entscheidung für die eigene Gesundheit, mehr Menschlichkeit und den Planeten ist.

    Was die Sache mit der Kleidung anbelangt: Second Hand ist natürlich an sich wahrscheinlich das nachhaltigste überhaupt – jedenfalls, wenn es so vonstatten geht wie oben beschrieben. Und das Auftragen der eigenen Sachen sowieso. Aber ich glaube, das ist auch eine sehr individuelle Sache – ich kann beispielsweise einfach nicht mehr meine noch ziemlich ungetragenen Lederboots anziehen, die ich mich in einem Moment der Schwäche (auch als Vegetarierin habe ich schon auf solche Dinge geachtet) gekauft habe. Es geht einfach nicht, da ist eine emotionale Sperre im Kopf. Deswegen verkaufe ich sie weiter. Aber das ist, wie gesagt, eine sehr individuelle Sache und ich verurteile niemanden, der vegan ist und trotzdem eine bereits getragene oder von anderen abgelegte Tasche trägt. 😉

    Liebe Grüße
    Jenni

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